Hintergrund

Viele Schulen - Viele Schulverwaltungsprogramme

Derzeit gibt es in Rheinland-Pfalz ca.1.600 öffentliche allgemeinbildende Schulen. Diese Zahl setzte sich aus rund 900 Grundschulen, 600 weiterführenden Schulen sowie rund 100 berufsbildenden Schulen zusammen. Darin enthalten waren auch mehr als 100 allgemeinbildende und berufliche Schulen in freier Trägerschaft. Etwa 1.000 dieser Schulen lieferten die jährliche Statistik über eine Schulverwaltungssoftware. Damals - und noch immer - sind mehr als 25 verschiedene Schulverwaltungsprogramme im Einsatz.

Diese Ausgangssituation führt zu verschiedenen Problemen mit absehbaren Folgen.

Probleme:

  • Bestehende Programme weisen Funktionsmängel auf und werden teilweise unzureichend an die veränderten Anforderungen angepasst.
  • Eine Kooperation der Schulen bei der Fehlersuche und Fehlerbehebung ist wegen der Vielzahl der eingesetzten Programme nur sehr eingeschränkt möglich.
  • Die Anschaffung und insbesondere die regelmäßig erforderlichen Aktualisierungen (mindestens einmal jährlich, häufig öfter) verursachen hohe Kosten.

Folgen:

  • Es kommt häufig zu Zeitverzögerungen beim Eingang der Daten der Allgemeinen Schulstatistik.
  • Daten sind z.T. fehlerhaft und inkonsistent.
  • Über mehrere Wochen wird pro Schule eine erhebliche Zahl an Arbeitsstunden für mehrfache Dateneingabe und Fehlersuche gebunden.
  • Pro Jahr wird der Schuletat mit einem erheblichen Betrag belastet, in großen Schulen z.T. mit € 1.500 (falls nur ein Update pro Jahr anfällt). Dieses Geld fehlt an anderer Stelle (z.B. Unterrichtsmaterialien, Reinigung).

Die abzusehenden erweiterten Datenanforderungen der Kultusministerkonferenz werden diese Probleme voraussichtlich noch verschärfen. Darüber hinaus hat sich in den vergangenen Jahren die Zahl der Anbieter von Schulverwaltungssoftware merklich reduziert. Auch dieser Prozess dürfte in den Folgejahren so weitergehen. Dies könnte dazu führen, dass eine Reihe von Schulen in absehbarer Zeit neue Programme anschaffen müssen – möglicherweise mehrfach.

Modernisierungsprozess der Schulstatistik in Deutschland

Die zunehmende Bedeutung von Bildungsforschung und Bildungsmonitoring sowie von Leistungsvergleichen auf nationaler und internationaler Ebene hat in den letzten Jahren zu einem deutlichen Anstieg des Bedarfs an steuerungsrelevanten statistischen Daten im Bereich der Schulstatistik geführt.

Als Herausforderung zeigt sich insbesondere, dass die in den einzelnen Bundesländern vorliegenden Daten zu Schulen, Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern zum Teil voneinander abweichen und nicht immer differenziert genug sind, um die aus den genannten Anwendungsbereichen resultierenden Fragestellungen zielführend bearbeiten zu können.

Rheinland-Pfalz nimmt bezüglich des Umfangs, der Detailtiefe und der Qualität schulstatistischer Daten im Ländervergleich bereits jetzt einen der vorderen Plätze ein und unterstützt die bundesweiten Bemühungen zur weiteren Verbesserung der Datenqualität und zur Angleichung der Auswertungsmöglichkeiten der Länder. Ziel dieser Bemühungen ist es, die Verfügbarkeit steuerungsrelevanter Informationen zur schulischen Bildung in vergleichbarer Form – auch auf Bundesebene – zu verbessern.

Für die Schulstatistik in Rheinland-Pfalz bedeutet dies eine partielle Ausweitung des Erhebungskataloges sowie höhere Anforderungen an die informationstechnischen Rahmenbedingungen. Selbstverständlich ist, dass hierbei die strengen Vorgaben des Datenschutzes strikt eingehalten werden.

Das Ziel der amtlichen Schulstatistik ist es nicht, Informationen über einzelne Personen (z.B. Schülerinnen und Schüler) zu erhalten, sondern Strukturinformationen über das Schulsystem als Ganzes. Die Auswertung von Informationen, die Rückschlüsse auf einzelne Personen ermöglichen, ist sogar im Rahmen der amtlichen Schulstatistik grundsätzlich gesetzlich untersagt.

Sie wird durch eine Anonymisierung der Daten und durch Vorkehrungen, die eine Entanonymisierung verhindern, technisch ausgeschlossen.

Reaktionen der Kultusministerkonferenz (KMK)

  • Vereinbarung der Kultusministerkonferenz zur Sicherstellung eines einheitlichen Aufkommens schulstatistischer Daten für überregionale und internationale Zwecke (28.01.2000)
  • Kerndatensatz (KDS) für schulstatistische Individualdaten der Länder (KMK-Beschluss vom 30.01.2003)
  • Sukzessive Konkretisierung des KDS im Rahmen der Kommission für Statistik der KMK
  • Zustimmung der Kultusministerkonferenz zum so genannten Kerndatensatz (KDS) in der Fassung 3.0 (Beschluss der Amtschefkonferenz vom 13.11.2008)

Anmerkung: Der KDS ist eine Liste von Merkmalen zusammen mit den zugehörigen Merkmalsausprägungen, die einheitlich in allen Ländern erhoben werden sollen. Diese Merkmale beziehen sich auf Schulen, Klassen, Unterrichtseinheiten, Schülerinnen/Schüler, Schulabgängerinnen/Schulabgänger, Absolventinnen/Absolventen und Lehrkräfte.

Folgerungen für die Schulstatistik in Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz verfügt bereits seit vielen Jahren über die von der KMK geforderten Individualdaten, während in vielen anderen Ländern der Umstieg von Summendaten auf Individualdaten erst noch vollzogen werden muss.

 

Zur vollständigen Umsetzung des Kerndatensatzes der KMK ist es für Rheinland-Pfalz allerdings erforderlich, so genannte "schülerbezogene Unterrichtseinheiten" (UE) erstmalig zu erheben, d.h. Unterrichtseinheiten (i.d.R. Fächer) mit den zugehörigen Schülerinnen und Schülern sowie den unterrichtenden Lehrkräften zu verknüpfen.

Dies erfordert eine umfassende Neukonzeption der Datenabfrage des Statistischen Landesamtes, der Schnittstellen für die Datenübermittlung und des gesamten Datenbankmodells beim Statistischen Landesamt.

Reaktionen der Länder

Eines steht fest: der neue Kerndatensatz ist zielführend nur mit einer landeseinheitlichen Schulverwaltungssoftware umzusetzen. Die Mehrzahl der Bundesländer hat diesen Schritt bereits vollzogen oder befindet sich in einem Umsetzungsprozess. Einige Länder haben kommerzielle Softwareprodukte gekauft/lizenziert, andere haben neue Programme selbst entwickelt oder - mit erheblichem finanziellen Aufwand - neu entwickeln lassen.